Archiv der Kategorie 'Einfacher Text'

06
Mai
10

Wäre mein Leben ein Film

Folgender Text entstand im Schreibfluss beim kreativen Schreiben.
Wäre mein Leben ein Film, ein “Werk auf Band”, was wäre es dann?
Ein Action-Film mit blutigen Nasen, Erbrochenem auf dem Pausenhof und triefender Spucke im Gesicht?
Ein Drama mit Nahaufnahmen meiner von Tränen geröteten Augen, als mir klar wurde, das SIE mich nicht verachten, sondern hassen?
Ein Krimi ohne Mordopfer? Dafür aber mit einem Schulpsychologen auf der Suche nach dem Schänder meiner zerstörten Seele?
Oder ein Kunstfilm mit hypnotisierenden Farbstichen, wenn ich mal wieder im Unterricht eingeschlafen war, weil mein Bett in der vergangenen Nacht wieder kalt blieb?
Vielleicht der moderner Western, mit High Noon im Klassenzimmer, mit mir als Held der die spitze Schere schneller warf?
Auf keinen Fall eine Doku mit betroffenen “Bekannten” und Familienangehörigen, die schluchzend Sachen sagen wie: “Das konnte doch keiner Ahnen, als Kind hat er so gerne geschrieben und gelacht”.
Grausame, abstoßende Vorstellungen.
Ich drehe einfach meinen eigenen Film, ich scheiß’ auf Genre und Stil, ich dreh jetzt meinen eigenen Streifen und nenne ihn “Leben des jungen M. – Eine Tragödie die keiner sehen wollte.” Und wenn alle einen mitleidigen, selbstbeweihräuchernden Movie erwarten, dann werden sie sich wundern.
Der junge M wird von keinem gerettet, er ballert auch niemanden nieder. Und die letzte Szene wird auf dem Dach einer Bausünde aus den 60′ern spielen. Er wird von niemandem hinabgestürzt. Er wird auch nicht im letzten Moment von einem anderen auf dem Dach angesprochen, Ich bin nicht Hornby. Der junge M. wird einfach springen und elegant auf dem nächsten Dach landen und in das langsam schwindende Sonnenlicht schreiten.
11
Jun
08

Wie beginnt man eine längere Geschichte?

Was meint Ihr?

Ich habe bisher immer am Anfang eines Tages begonen oder direkt vor der ersten Handlung. Für mein sekundäraktuelles©™ Projekt habe ich vorläufig diesen Einstieg getippt.

“Wie beginnt man eine Geschichte? Und vor allem wo? Lassen wir sie mit meiner Geburt beginnen. Ich erblickte das Licht des Tages an einem sonnigen Vormittag im Juni. – Den Vormittag des Weltflüchtlingstags. Die Bedeutung dieser Begebenheit wurde mir allerdings damals noch nicht klar – versteht sich.”

In dem Moment als ich es tippte klang es ganz gut. Jetzt finde ich es den letzten Scheiß.

Was sagt ihr? Und wie würdet ihr beginenn?

Bonus-/Gewinnfrage: Wann wurde ich geboren?

06
Jun
08

Was an der Mauer zu lesen ist (Writing on the wall)

Ich lief, rannte rannte immer weiter, nur weg, ganz weit weg.

Weg von diesem Ort des Schreckens.

Weg von diesem Ort der Qual.

Weg von diesem Ort des Bösen.

Weit weit weg von dem Ort den Eltern „Bildungstätte“ nennen.

Ich lief, rannte rannte immer weiter, nur weg, ganz weit weg.

Dann sah ich die Mauer, und ich sah was da geschrieben stand.

Und ich sage euch, ich brauche keine Arme die mich schützen,

keine Medikamente um mich kontrollieren zu lassen.

Ich bin ich.

Alle sollen das wissen.

Alle sollen das akzeptieren.

Ich sah die Mauer, und ich sah was da geschrieben stand.

Und ich begriff, dass es keine Rolle spielen würde wer ich bin.

Wichtig ist DAS ich bin.

Das ich ein Teil von EUCH bin.

Zusammen sind wir die Kraft.

Zusammen sind wir Groß.

Obwohl wir alle allein nichts sind.

IHR müsst begreifen, dass unsere einzige Hoffung die Gedanken der Kinder sind.

IHR dürft sie nicht kontrollieren.

Ich sah und las: Wir werden wir im Anbruch der Dämmerung angreifen.

Und ich wusste ich war bereit. WIR waren bereit.

Und wenn nicht, würden wir dann bereit sein.

… Der Zeitpunkt ist gekommen.

Ein „Gedicht“ nach: Pink Floyd – Another brick in the wall, Billy Talent - Red Flag

Ich würd mich über ne Rückmeldung zu diesem Text sehr freuen, da er im betrunkenen Zustand entstanden ist und selbst auf mich etwas zu wirr wirkt.

Danke fürs lesen.

06
Jun
08

Die Erlösung?!

Der nun folgende Text ist ein Rückblick auf eine Zeit die ich durchlebt habe und baut auf damalige Überlegungen auf. Bitte seid nicht zu sehr schockiert. Ich habe mich geändert und mittlerweile wieder viele Gründe das Leben zu genießen. Für und wegen Herrn Dr. Schäuble Wolfgang habe ich sogar die “Amokoption” zensiert.

Ich hatte an alles gedacht. Hatte stundenlang auf meinem Bett gelegen und an die Zimmerdecke gestarrt. Meine Zukunft war eine Wand aus schwarzem Nebel, meine Gegenwart die Hölle auf Erden. Ich erwachte morgens in der Gewissheit wieder in diese Hölle zu müssen und kam mittags in der Gewissheit wieder zurück, von meinen Eltern kein Verständnis zu bekommen. Den Nachmittag verbrachte ich damit Abstand zu nehmen, trieb mich im Web herum. Doch ich schaffte es nie mich vom Vormittag zu lösen.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich all dies nicht länger ertragen würde-

Es würde der Tag kommen, an dem ich etwas Grausames tun würde. Ich sah den Tag, an dem ich Rache üben würde. An all denen die mein Leben zur Hölle machten. Jenen Fürsten des Grauen, die andere niedermachten um ihre eigenen Schwächen zu verstecken. An diesem Tag würde ich zum Gegenangriff übergehen. Einer Tat, grausamer als alles zuvor gekannte. Ich würde sie nicht einfach töten - NEIN! Ich würde sie quälen, ich würde ihren Geist zerstören. Denn Fleisch, das hatte ich gelernt, konnte abstumpfen. Zu einer Hülle die nichts mehr fühlte, nichts mehr wahrnahm. Nein, ich würde ihre Seele zerstören, ihren Geist brechen. Und ich würde es langsam tun.

Wenn sie dann flehend und winselnd vor meinen Füßen im Staub liegen würden, dann würde ich sie erhören und ihrer jämmerlichen Existenz ein Ende bereiten.

Und anschließend? Anschließend würde ich ihnen nachkommen.

Egal ob Himmel oder Hölle. Ich würde über sie gesiegt haben – und ich war bereit die Konsequenzen dafür zu tragen.

Doch eine tiefe Innere Stimme sagte mir, dass das falsch war. Ich besaß etwas, dass sie nicht besaßen. Ein Gewissen.

Und so arbeitete ich an einem Plan. Er sollte mein letzter sein. Ein endgültiger, der mich vor dem Weg bewahrte, den ich schon begann zu gehen.

Ich hatte an alles gedacht. Ein Brief war geschrieben. Für jeden Menschen der mir noch etwas bedeutete, eine Zeile.

Und dann brach der Tag an. Als ich aufwachte wusste ich, heute war der Zeitpunkt gekommen. Ich stand auf, machte mein Bett und legte meine letzten Zeilen darauf.

Daneben zwei Steine. Kalte schwarze Steine. Sie sollten meine letzte Nachricht umranden.

Ich griff in die unterste Schublade meines Schreibtisches, nahm das Paket heraus und steckte es ein. Dann ging ich zum Frühstück. Meine Eltern beachteten mich nicht.

Wären sie an diesem Morgen aufmerksam gewesen, so wäre ihnen vielleicht die Beule in meinem Hosenbund aufgefallen.

Der Bus war voll wie immer. Erstaunlich schnell spürten mich meine Peiniger auf. Sie begrüßten mich mit einem Schwall Beleidigungen und einem Fußtritt.

Der Tritt hatte meine Kniekehle getroffen. Doch ich kippte nicht um. Ich spürte keinen Schmerz.

Meine Hand hatte in Richtung meines Hosenbundes gezuckt. Doch dafür war der kalte Stahl nicht gedacht.

Ich lächelte meinen Unterdrücker an. Das schien ihn zu verwirren und er wich zurück. Vielleicht war es auch der kalte, gefährliche Blick, mit dem ich ihn bedachte.

Wir kamen an der Schule an. Aber ich ging nicht ins Klassenzimmer.

Schon vor Wochen hatte ich diesen Weg geplant. Mein letzter Gang.

Ich ging über den Pausenhof, der nun verlassen dalag.

An den Sporthallen angekommen wartete ich einen Moment. Oben in der Schule läutete der Gong. Für die anderen begann ein ganz normaler Tag. Ein Tag der für mich der letzte sein sollte. Dann kletterte ich aufs Dach. Es war ganz einfach. Am Eingang gab es ein kleines Geländer. Von dort konnte ich mich bequem aufs Dach ziehen. Oben angekommen blickte ich mich um. Ich sah das Schulgebäude. DIES war die Hölle. Alles andere konnte nur besser sein.

Als ich den Gegenstand aus meinem Hosenbund nahm wehte eine leichte Briese. Ich überprüfte das Instrument ein letztes Mal. Einwandfrei. 2 Patronen. Gesichert.

Ich drehte mein Gesicht in den Wind, ließ es ein letztes Mal vom Wind streicheln. Dann nahm ich den Rucksack ab und stellte ihn vor mich. Ich nahm die Pistole und entsicherte sie, hielt sie mir an den Kopf. Der kalte Stahl an meiner Schläfe fühlte sich gut an. Meine Hand umfasste den Abzug. Ich zögerte nicht und drückte ihn durch. Das Projektil verließ die Waffe.

In diesem Moment wusste ich, dass nun alles endgültig war. Nichts ließ sich mehr ändern.

Mein Kopf produzierte noch einmal Bilder aus besseren Zeiten. Ein Best-of. Wer hätte gedacht, dass ich allein sterben würde.

Und dann traf die Patrone ihr Ziel. Ich wusste, dass ich mein Ziel erreicht hatte. Und während mein Körper nachgab und zu Boden glitt legte sich ein zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht.

Ich war erlöst…

06
Jun
08

Abend am Strand

Ein schon etwas älterer Text über zwei Verliebte:

Gemächlich schlenderten wir die Uferpromenade entlang. Eine leichte Briese wiegte den Strandhafer hin und her. Die Sonne glänzte wie ein rot-goldener Feuerball knapp über der Wasseroberfläche. Dieser Feuerball schien das Meer angesteckt zu haben. Die Wasseroberfläche leuchtete wie ein einziges goldenes Feld. Weit entfernt lief langsame, ruhige Musik. Hin und wieder schrie eine Möwe und es klang so als würde sie den Tag verabschieden wollen. Das Kindergeschrei das noch vor einigen Stunden über die Promenade gehallt war, war verklungen. Stattdessen hörte man nun das beständige plätschern der Wellen. Mir kam der Satz „Sommer ist das was in deinem Kopf passiert“ in den Sinn. DAS ist der Sommer dachte ich. Vereinzelt trafen wir auf (andere) Paare die Hand in Hand gingen und die Zweisamkeit genossen…

Einige Schritte vor uns sah ich eine verlassende weiße Holzbank. Vorsichtig bewegten sich meine Füße dorthin. Wir setzten uns und ließen den wunderschönen Moment auf uns wirken.

Am Horizont konnte man mehrere Segel erkennen.

Behutsam rückten wir näher aneinander, In einem günstigen Augenblick hob ich meine Hand um mir die Haare aus der Stirn zu streichen. Als ich sie wieder senkte fand sie die ihre (?).

Wir blickten uns an In ihren braunen Augen konnte ich ein verzauberndes Blitzen erkennen.

Ihre dunkel braunen Haare wehten im Wind und gaben ihrem schönen Gesicht einen atemberaubenden Anblick. Verführerisch zwinkerte sie mir zu. Sie nahm meine andere Hand und zog mich zärtlich hoch. Wir zogen unsere Schuhe aus und wanderten durch den warmen Sand an die Wasserkante. Sie lächelte mich an und wir ließen uns in den Sand fallen. Ich legte einen Arm um ihre Schulter und zog sie sanft an mich. Sie verstand und lehnte sich an. Für einen Moment schloss ich die Augen und spürte das Adrenalin durch meinen Körper schießen. Als ich die Augen wieder öffnete blickte ich in ein mir bekanntes Paar brauner Augen. Ein gemischter Geruch aus maritimem Parfüm, Tang und Salz stieg mir in die Nase. Ihre Lippen nähren sich den meinen.

Sie legte ihre Arme um meinen Hals und lächelte mich bezaubernd an. Wie von selbst wanderte meine freie Hand zu ihrer Wange. In diesem Augenblick konnte ich jede ihrer Sommersprossen einzeln sehen. Dann trafen sich unsere Lippen…




 

Mai 2012
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