Autor Archive für Jannis Schnitzer

30
Mai
10

Murtagh hieß er früher.

Die späte Mittagssonne warf ihre Strahlen durch die hohen gotischen Fenster und erleuchtete den Saal, der an Wänden, Decke und Boden mit hellem Marmor ausgekleidet war. Einige Strahlen verirrten sich bis zu den Ringen an der Hand des Lords, deren Steine sie in allen Farben brachen und durch den Raum schickten. Sie schafften es, die Aufmerksamkeit des jungen, weiß gekleideten Mannes am linken Ende des Tisches zu wecken – etwas, was die Rede des Lords schon seit Stunden nicht mehr vermochte. Fasziniert beobachtete er das Spiel der Farben an den Wänden, die blitzenden Lichter, als der Lord heftig gestikulierte. »… untragbar! Ich kann nicht zulassen, dass sie so etwas wagen! Es ist …« Der junge Mann sah zu, wie sich buntes Licht und Schatten über dem Mund des Lords abwechselten, während sich dieser unentwegt öffnete und schloss.
Gedankenverloren fuhr er eine Scharte im schwarzen Marmor des Tisches nach, während er immernoch den Lord anstarrte, unfähig, ihm seine Aufmerksamkeit zu widmen. Stattdessen verfolgte er mit seinen Blicken die Hände des Lords, die unentwegt durch die Luft fuhren; es schien, als versuche er, sie zu zerschneiden.
Hatte er sich gerade geschnitten? Der junge Mann war sich sicher, einen Tropfen Blut an seiner Hand gesehen zu haben. Dunkelroter Schimmer, der von Sonnenstrahlen getroffen wurde: instinktiv fasste der junge Mann an seinen Gürtel – doch seine Hand griff ins Leere. Ein missbilligender Blick von seinem Sitznachbarn war alles, was er erreichte. Enttäuscht entspannte er sich und ließ die Hand herabhängen; es war nur ein Ring mit einem blutroten Stein gewesen. Und selbst wenn des Lords Hand geblutet hätte, dachte er sich, wäre das die falsche Reaktion gewesen.
Schnell verlor er sich wieder in Gedanken. Er betrachtete die Muster auf dem Marmorfußboden – und ertappte sich dabei, wie er in ihnen Schwerter und Messer sah. Über sich selbst erschrocken, riss er sich von dem Anblick los. Er sehnte sich nach dem Ende dieser Besprechung, wohl wissend, dass ihre Inhalte für ihn wichtig werden könnten, und dennoch – bisher hatte er noch jede Schlacht geschlagen. Er würde auch dieses Mal auf seine Fähigkeiten vertrauen können.

06
Jul
09

Sir Murtagh.

Mein Name ist Sir Murtagh. Ich gehöre den Reitern der Eklipse an und habe eine entscheidende Rolle bei der Schlacht von Dilantòr gespielt. Doch meine Geschichte ähnelt in keinster Weise der eines anderen Dunklen Reiters: sie ist — gelinde gesagt — sehr turbulent und es auf jedenfall wert, erzählt zu werden.

Alles begann vor einigen Jahren — ich war damals Mitglied der berühmten Weißen Ritter unter Lord Mikael — als die Schwarzen Horden sich im Herrschaftsgebiet Dilantòrs niederließen. Natürlich war Mikael alles andere als erfreut, herrschte er doch schon seit Jahren uneingeschränkt über Dilantòr, das schon immer in Zwist mit den Schwarzen Horden stand. Keiner hat es ihm damals verübelt, dass er angesichts der Dunklen die Beherrschung verlor und ohne Kundschafter loszuschicken den Angriffsbefehl gab — aber damit nahm das Unheil seinen Lauf.

Es wurde zuerst ein kleiner Trupp heiliger Magi ausgesendet, der eigentlich stark genug war, diese “Hand voll Dunkler”, wie Mikael sie genannt hatte, zu besiegen. Doch weit gefehlt! Die Schwarzen Horden hatten Dilantòr wohl als neues Wohngebiet auserkoren und wollten sich heimisch niederlassen, jedenfalls waren sie mit Kind und Kegel vertreten und machten so (dank eines Verhältnisses von etwa 20 000:1) aus den Heiligen Magi Heiliges Kleinholz und rotes Weihwasser. Als Erwiderung auf die Magi schickten sie ihre besten Krieger in Richtung Schloss Mikallia, wo Mikael regierte. Die waren natürlich nicht mit ein paar Magi aufzuhalten; Dilantòrs gesamte Armee wurde kampfbereit gemacht. Und hier komme ich ins Spiel.

Wie bereits erwähnt, gehörte ich den Weißen Rittern an, einer Eliteeinheit in Mikaels Armee. (Genauer gesagt, war ich sogar Truppenführer). Zugegeben, man hätte mich, wenn man mich mit meinen roten Augen und dem schulterlangen schwarzen Haar, sowie meiner Vorliebe für schwarze Kleidung gesehen hätte, nicht unbedingt für einen Weißen Ritter gehalten, aber ich war — bei aller Bescheidenheit — der Beste unter ihnen und hatte auch nie mit dem Gedanken gespielt, einen meinem Äußerem entsprechenderen Posten einzunehmen, auch wenn das oft gemunkelt wurde. Mir gefiel die Position bei den Weißen Rittern — es verschafft natürlich auch ungeheures Ansehen, wenn man zu ihnen gehört. Wir jedenfalls musssten als beste Kampfeinheit natürlich an vorderster Front kämpfen. Wir zogen also mit vielen anderen Einheiten zusammen Richtung Plateau Dilán, der großen Ebene, wo die Armeen aufeinandertreffen würden.

Es war wirklich ein erschreckendes Bild — Schreie ertönten und an vielen Stellen sollen Soldaten in Ohnmacht gefallen sein, selbst ich rang stark mit meiner Beherrschung. Meine Knie zitterten wie Espenlaub in einem Orkan und meine Hand, die ich auf den Schwertknauf in meinem Gürtel gelegt hatte, fühlte sich an, als befänden sich in ihrem Inneren keine Muskeln, sondern das, was mein Schoßhund des öfteren als Ergebnis von Verdauungsstörungen von sich gibt. Meine Schwertspitze zog kleine Kreise, als tanze sie vor Freude — wobei Freude in unserer Armee wahrscheinlich nicht ein mal mehr als Erinnerung vorhanden war. Schließlich nahm ich mich zusammen und blickte dem Unheil direkt ins Auge.

Auf den ersten Blick sah man nicht viel; eine Woge aus schwarzen oder schwarz gekleideten Leibern, aus denen alle hundert Meter die große Standarte der Schwarzen Horden herausragte: ein schwarzer Totenkopfrelief auf giftgrünem Grund — das Bild, vor dem die meisten Dilantòrer sich mehr fürchteten als vor dem Tod. Die Woge schien endlos zu sein — sah man nach links, erstreckte sie sich bis zum Horizont, sah man nach rechts, erstreckte sie sich bis zum Meer, an das Dilantòr grenzt. Man konnte natürlich nicht sagen, dass Dilantòr weniger Soldaten hatte oder diese schlechter ausgebildet waren, trotzdem wurde einem beinahe übel, wenn man die großen Orks und Trolle, die furchterregenden Werwölfe, geritten von gemeinen kleinen Goblins, und die Schwarzen Magi, sowie die von ihnen herbeigerufenen Dunklen Geister und Untoten sah. Weit hinten in ihrer Armee sah man, von den vier größten Orks getragen, den großen Thron mit dem Schwarzen Magus Mal-Raven, der von einer unheimlichen schwarzblauen Aura umgeben schien. Allein bei seinem bloßen Anblick rannten manche schreiend in die Kapellen und beteten, was sie konnten. Doch Götter würden in dieser Schlacht nicht mehr helfen können. Es lag allein an uns.

Die Fronten prallten aufeinander. Sofort sah ich mich im Gefecht mit zwei Orks, einem Werwolfsreiter und einem Dunklen Adepten, die auf mich einschlugen, mich zu beißen versuchten und mich mit Kalter Magie angriffen. Doch mein Schwert ließ mich vorerst nicht im Stich. Ich schlug wie ein Besessener um mich, um etwas Spielraum zu gewinnen, und versetzte dem einen Ork einen schweren Schnitt in den Oberarm, sodass der vor Schmerz zu Boden ging und mein Pferd Dorn mit grünem Blut bespritzte. Es scheute und trat ihm ins Genick. Den zweiten Ork konnte ich mit einem Schwertstoß mitten durchs Herz niederstrecken und dem Werwolf rammte ich meinen silberbeschlagenen Stiefel in das reißzahnbestückte Maul. Der kleine Goblin auf seinem Rücken wurde zu Boden geschleudert und von wütenden Soldaten beider Parteien zertrampelt. Mit dem Dunklen Adepten, der außer seiner Magie keine nennenswerten Fähigkeiten hatte, hatte ich leichtes Spiel. Doch kaum hatte ich diesen Ansturm bezwungen, wurde ich schon wieder bedrängt. Mein Schwertarm wirbelte wie der Blitz durch die Luft, mit dem anderen, schildbestückten wehrte ich Angriffe ab, schnell wie der Wind. Doch selbst ich konnte dies nicht ewig durchhalten, und ohne die magischen Kraftreserven, die unsere Magi den Soldaten — und auch mir — übertrugen, wäre ich schon längst von Dorns Rücken gefallen. Mein Schwert aus reinstem weißem Feensilber blitzte rot oder grün — manchmal auch schwarz — auf, wenn es vom Blut der gefallenen Gegner trank und mein Schild fing Schläge mit dumpfen Tönen ab, und die ehemals weiße Oberfläche war nun schwarz. Auch Dorn war nicht mehr das, was man einen Schimmel nennen konnte — eher ein bunt geflecktes Zirkuspferd (nur, dass es im Zirkus wesentlich lustiger zuging). Plötzlich kam ein Pfeil auf mein Herz zugeflogen. Ich konnte mich gerade noch rechtzeitig ducken, doch traf er mich im rechten Auge. Weiße Magi konnten zwar alle möglichen Arten von Verletzungen heilen, aber um Augen zu regenerieren, brauchte man schwarze Magie, denn nur ein Todesopfer verschaffte einem genügend Energie, die Sehkraft wiederherzustellen, und natürlich konnte man nicht einfach irgendein Kriegsopfer verwenden. Eine komplizierte Zeremonie war nötig und es musste Neumond sein. Ich brüllte vor Schmerz auf, riss eine Keule einem nahen Ork aus der Hand und warf sie mit letzten Kraftreserven nach dem Schützen. Er ging zu Boden, und ich verlor für einen Moment die Besinnung. Als ich wieder zu mir kam, lag ich neben Dorn, umringt von Schwarzen Magi, auf blutgetränktem Boden. Doch sofort preschten die noch lebenden Weißen Ritter auf mich zu und wüteten unter den Magi so sehr, dass ich Dorn wieder besteigen konnte und meinerseits angreifen. Wir löschten die Magi aus und die Schlacht ging weiter. Wie lange, weiß ich nicht mehr, doch ich kämpfte mit doppelter Wut und halber Sehkraft wie ein Wilder. Plötzlich sah ich, dass alle anderen Weißen Ritter ausgelöscht waren und ich der Einzige dieser Eliteeinheit war, der noch stand.

Ein schwarzer Schatten kam auf mich zu. Ich schrak zusammen. War dies einer der Dunklen Geistern, die die Nekromanten der Schwarzen Horden beschworen hatten? Sie sollten den Körper willenlos machen und ihn dazu zwingen, für die Schwarzen Horden zu kämpfen!

Er kam immer näher. Ich sah mich um. Weglaufen war in diesem Kampfgetümmel unmöglich! Mir blieb nichts anderes als zu bleiben.

Probeweise schwang ich mein Schwert gegen ihn; ein Ruck ging durch meinen Schwertarm, und ein unheimlicher Ton erklang, so, als ob die Welt für kurze Zeit aus den Fugen geraten wäre; er ging mir bis ins Mark und entzündete in meiner Seele ein Feuer der Furcht, so heiß, dass ich mich wunderte, dass keine Krieger um mich her verbrannten. Ich sah mein Schwert an, und die Klinge war schwarz geworden — doch nicht einfach nur schwarz, sondern von einem so tiefen und lebendigen Schwarz, dass es sich anfühlte, als sei ich blind geworden. Es hielt mich gefangen; doch ich schaffte es, alle Willensstärke aufzubringen und den Blick abzuwenden.

Ich hätte es besser nicht tun sollen, denn um mich herum sah es alles andere als rosig aus: Weitere Dunkle Geister waren aufgetaucht und stürzten sich auf unsere Krieger.

Der Schatten berührte mich. Es war, als ob die Welt zu existieren aufgehört hätte. Ich sah nichts mehr, nur dieses unheimliche, lebendige Schwarz. Ich hörte keinen Schlachtenlärm mehr, sondern nur noch den tiefen, unheimlichen Ton des Todes, den ich vorher schon vernommen hatte. Es gab nichts mehr um mich herum, es gab selbst mich nicht mehr. Es gab nur noch Dunkelheit, die mein ganzes restliches Bewusstsein ausfüllte. Eine lebendige, sich windende Dunkelheit, an deren Rand sich Schatten bewegten. Ich fühlte mich (mich?) wie der lebendig gewordene Tod. Es hielt an, immer weiter, bis ich mir wünschte, zu sterben (falls ich denn noch lebte), und selbst danach noch. Eine Sekunde lang, die so lange dauerte wie zehn Ewigkeiten, sah ich einen reinen weißen Lichtblitz in all dem Schwarz und der Teil von mir, der trotz meiner Nicht-Existenz noch denken konnte, wusste, dass nichts mehr so sein würde wie früher.

Und dann hörte es auf. Ich lag auf dem Schlachtfeld, unbeachtet von Freund und Feind (wer auch immer das sein mochte), Dorn neben mir. Doch etwas war anders. Alles sah dunkler aus. Dorns Fell hatte eine glänzend schwarze, lebendige Farbe angenommen, das selbe Schwarz, das ich die ganze Zeit wahrgenommen hatte, doch es schien nicht mehr unheimlich, sondern vertraut. Nicht nur meine Wahrnehmung schien sich verändert zu haben, sondern auch meine Denkweise. Ich verspürte einen unheimlichen Hass auf Mikael und die Weiße Armee und fühlte mich sehr hingezogen zu den Reitern der Eklipse, das Schwarze Gegenstück der Weißen Reiter.

Und dann fühlte ich es. Ich war … — Ich bin … — »ICH BIN EIN DUNKLER!« Die Worte kamen aus meinem Mund geströmt und fühlten sich richtig an. Ich war ein Dunkler. Und ich bin ein Dunkler!

Meine Aufnahme in den Reitern der Eklipse und alles übrige war nicht weiter kompliziert: Wir hielten eine kleine Aufnahmezeremonie ab und schon war ich wieder mittendrin. Mein Auge allerdings konnten selbst die Dunklen jetzt nicht mehr heilen, es war schon zu lange zerstört. Wir preschten also wieder an die Front und neue, Dunkle Kraft befähigte mich, viel besser zu kämpfen, als ich es selbst in meinen besten Zeiten bei den Weißen getan hatte.

Nun waren die Weißen besiegt. Dilantòr gehörte uns; und ich gehörte zum ersten Mal in meinem Leben wirklich mir. Mein Körper war durch die Dunkle Magie gestärkt, meine Sinne geschärft worden — und ich vermisste mein Weißes Leben keine Sekunde lang.

Ich bin Sir Murtagh, Reiter der Eklipse.

30
Jun
08

Destroying the Unity.

Dearest friends of the German language,

today you will not be pleased. This tale is written in English. ;-)

I wrote it during an English lesson, as a result of being bored, and refined it a little bit at home.

It is not as philosophical as the stories Sangreal and Tinytis wrote, but anyway, it’s gonna go into public. (Sorry.)

 


 

 

The Unity blew up in many parts. I could just save my bare life and escape into a nearby planet’s glass house for man-eating plants. As I think, I was the only human being who survived the acts of violence. Sadly I looked out of the large windows and watched the broken Unity parts move through the vain. They somehow reminded me of fallen oak leaves floating on a lake surface. Suddenly, I heard a cracking noise from behind. When I jumped and turned around, it was already too late. Two huge worms crouched onto me, which I watched shiveringly, not even thinking of escape. Tentacles sprouted out of their heads and held my arms and legs so that I couldn’t move, nor could I scream, because I could hardly breathe due to the hard wrap around my body.

Now, tentacles slipped into my head through my nose and ears. (I wonder if you actually wanted to know that.) My vision blurred. Strange colors became visible, they seemed like color baloons filled with paint which were flying at me and exploding. I had taken many sorts of psychedelic drugs in my long galactic life, but the experiences of these had not been half as realistic as that – and not a quarter as painful. I heard strange sounds and felt like my brain was pulled out of my head through my eyes.

Weiterlesen ‘Destroying the Unity.’

05
Jun
08

Grusswort zum Juni.

Hi.

Ich bin’s, Xjs (auch, vor allem im realen Leben, bekannt als Jannis). Einige kennen mich vielleicht von meinem eigenen Blog, der “It Is Me!” tituliert ist. Nach einer kleinen Anfrage haben mich die hiesigen Autoren als Mitschreiberling aufgenommen, was den einen oder anderen vielleicht freut. Vielleicht ist es euch auch ein Dorn im Auge, dann kann ich euch aber auch nicht mehr helfen. ;-)

Fuer den ersten Post reicht’s jetzt erstmal. Bye und viel Spass in diesem ominoesen Internet-Dingens, ueber das im Moment alle reden,

euer Xjs.




 

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