Der nun folgende Text ist ein Rückblick auf eine Zeit die ich durchlebt habe und baut auf damalige Überlegungen auf. Bitte seid nicht zu sehr schockiert. Ich habe mich geändert und mittlerweile wieder viele Gründe das Leben zu genießen. Für und wegen Herrn Dr. Schäuble Wolfgang habe ich sogar die „Amokoption“ zensiert.
Ich hatte an alles gedacht. Hatte stundenlang auf meinem Bett gelegen und an die Zimmerdecke gestarrt. Meine Zukunft war eine Wand aus schwarzem Nebel, meine Gegenwart die Hölle auf Erden. Ich erwachte morgens in der Gewissheit wieder in diese Hölle zu müssen und kam mittags in der Gewissheit wieder zurück, von meinen Eltern kein Verständnis zu bekommen. Den Nachmittag verbrachte ich damit Abstand zu nehmen, trieb mich im Web herum. Doch ich schaffte es nie mich vom Vormittag zu lösen.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich all dies nicht länger ertragen würde-
Es würde der Tag kommen, an dem ich etwas Grausames tun würde. Ich sah den Tag, an dem ich Rache üben würde. An all denen die mein Leben zur Hölle machten. Jenen Fürsten des Grauen, die andere niedermachten um ihre eigenen Schwächen zu verstecken. An diesem Tag würde ich zum Gegenangriff übergehen. Einer Tat, grausamer als alles zuvor gekannte. Ich würde sie nicht einfach töten - NEIN! Ich würde sie quälen, ich würde ihren Geist zerstören. Denn Fleisch, das hatte ich gelernt, konnte abstumpfen. Zu einer Hülle die nichts mehr fühlte, nichts mehr wahrnahm. Nein, ich würde ihre Seele zerstören, ihren Geist brechen. Und ich würde es langsam tun.
Wenn sie dann flehend und winselnd vor meinen Füßen im Staub liegen würden, dann würde ich sie erhören und ihrer jämmerlichen Existenz ein Ende bereiten.
Und anschließend? Anschließend würde ich ihnen nachkommen.
Egal ob Himmel oder Hölle. Ich würde über sie gesiegt haben – und ich war bereit die Konsequenzen dafür zu tragen.
Doch eine tiefe Innere Stimme sagte mir, dass das falsch war. Ich besaß etwas, dass sie nicht besaßen. Ein Gewissen.
Und so arbeitete ich an einem Plan. Er sollte mein letzter sein. Ein endgültiger, der mich vor dem Weg bewahrte, den ich schon begann zu gehen.
Ich hatte an alles gedacht. Ein Brief war geschrieben. Für jeden Menschen der mir noch etwas bedeutete, eine Zeile.
Und dann brach der Tag an. Als ich aufwachte wusste ich, heute war der Zeitpunkt gekommen. Ich stand auf, machte mein Bett und legte meine letzten Zeilen darauf.
Daneben zwei Steine. Kalte schwarze Steine. Sie sollten meine letzte Nachricht umranden.
Ich griff in die unterste Schublade meines Schreibtisches, nahm das Paket heraus und steckte es ein. Dann ging ich zum Frühstück. Meine Eltern beachteten mich nicht.
Wären sie an diesem Morgen aufmerksam gewesen, so wäre ihnen vielleicht die Beule in meinem Hosenbund aufgefallen.
Der Bus war voll wie immer. Erstaunlich schnell spürten mich meine Peiniger auf. Sie begrüßten mich mit einem Schwall Beleidigungen und einem Fußtritt.
Der Tritt hatte meine Kniekehle getroffen. Doch ich kippte nicht um. Ich spürte keinen Schmerz.
Meine Hand hatte in Richtung meines Hosenbundes gezuckt. Doch dafür war der kalte Stahl nicht gedacht.
Ich lächelte meinen Unterdrücker an. Das schien ihn zu verwirren und er wich zurück. Vielleicht war es auch der kalte, gefährliche Blick, mit dem ich ihn bedachte.
Wir kamen an der Schule an. Aber ich ging nicht ins Klassenzimmer.
Schon vor Wochen hatte ich diesen Weg geplant. Mein letzter Gang.
Ich ging über den Pausenhof, der nun verlassen dalag.
An den Sporthallen angekommen wartete ich einen Moment. Oben in der Schule läutete der Gong. Für die anderen begann ein ganz normaler Tag. Ein Tag der für mich der letzte sein sollte. Dann kletterte ich aufs Dach. Es war ganz einfach. Am Eingang gab es ein kleines Geländer. Von dort konnte ich mich bequem aufs Dach ziehen. Oben angekommen blickte ich mich um. Ich sah das Schulgebäude. DIES war die Hölle. Alles andere konnte nur besser sein.
Als ich den Gegenstand aus meinem Hosenbund nahm wehte eine leichte Briese. Ich überprüfte das Instrument ein letztes Mal. Einwandfrei. 2 Patronen. Gesichert.
Ich drehte mein Gesicht in den Wind, ließ es ein letztes Mal vom Wind streicheln. Dann nahm ich den Rucksack ab und stellte ihn vor mich. Ich nahm die Pistole und entsicherte sie, hielt sie mir an den Kopf. Der kalte Stahl an meiner Schläfe fühlte sich gut an. Meine Hand umfasste den Abzug. Ich zögerte nicht und drückte ihn durch. Das Projektil verließ die Waffe.
In diesem Moment wusste ich, dass nun alles endgültig war. Nichts ließ sich mehr ändern.
Mein Kopf produzierte noch einmal Bilder aus besseren Zeiten. Ein Best-of. Wer hätte gedacht, dass ich allein sterben würde.
Und dann traf die Patrone ihr Ziel. Ich wusste, dass ich mein Ziel erreicht hatte. Und während mein Körper nachgab und zu Boden glitt legte sich ein zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht.
Ich war erlöst…